22.03.26 –
Am 22. März begehen wir den Internationalen Tag des Wassers – ein Tag, der uns daran erinnert, wie eng lokale und globale Wasserkreisläufe miteinander verbunden sind. Wasser ist nicht nur die Grundlage allen Lebens auf unserem blauen Planeten, sondern auch ein Thema, das uns alle angeht: von den großen weltweiten Strömungen bis hin zu den regionalen Herausforderungen vor unserer Haustür.
Deutschland gilt traditionell als wasserreich. Doch seit Anfang der 2000er-Jahre hat unser Land rund 60 Milliarden Kubikmeter Wasser verloren – eine Menge, die dem Fassungsvermögen des Bodensees entspricht. Damit gehört Deutschland zu den Ländern mit den höchsten Grundwasserverlusten weltweit. Die Gründe sind vielfältig: Die Nutzung durch Industrie, Landwirtschaft und Haushalte übersteigt die natürliche Regenerationsfähigkeit. Gleichzeitig beschleunigt die Klimakrise den Wechsel zwischen Dürren und Starkregen. Letzterer versickert oft nicht, sondern fließt über versiegelte Flächen in die Kanalisation – und trägt so nicht zur Erneuerung von Oberflächen- oder Grundwasser bei.
Die Auswirkungen sind bereits heute sichtbar: Wälder und Ernten vertrocknen, der Rhein führt nicht mehr nur im Sommer Niedrigwasser, was die Schiffbarkeit einschränkt. Die Grundwasserspiegel sinken, und fast jeder zweite Landkreis steht unter Grundwasserstress – auch der Rhein-Sieg-Kreis. Die verfügbare Menge an Süßwasser muss immer wieder neu berechnet werden, da Hitzeperioden den privaten Verbrauch erhöhen, die Landwirtschaft mehr bewässern muss und Kommunen die Wasserentnahme rationieren. Gleichzeitig haben energieintensive Industrien, wie Rechenzentren oder die petrochemische Industrie, feste Rechte auf Grundwasserentnahmen – unabhängig von Jahreszeit oder Temperatur.
Trinkwasserversorgung aktuell gesichert – aber unter Druck: Zwar ist die Trinkwasserversorgung über Brunnen und Grundwasser in den meisten Regionen Deutschlands und im Rhein-Sieg-Kreis auf absehbare Zeit nicht gefährdet. Doch auch die Versorgung über Trinkwasser-Talsperren gerät durch die Klimakrise und extrem schwankende Füllstände zunehmend unter Druck.
Eine aktuelle Studie von Boston Consulting Group (BCG) und Naturschutzbund Deutschland (NABU) beziffert die Folgen des schleichenden Wasserverlusts: Ohne wirksame Gegenmaßnahmen drohen Deutschland bis 2050 jährliche Schäden von 20 bis 25 Milliarden Euro. Doch es gibt Lösungsansätze: Regenerative Landwirtschaft, klimaresiliente Wälder und moderne Drainagesysteme könnten jährlich zusätzlich 7 bis 7,5 Milliarden Kubikmeter Wasser in der Landschaft halten – genug, um den Negativ-Trend bis 2040 umzukehren.
In Bornheim setzt der Stadtbetrieb bereits erfolgreich auf KI-gestützte Leckage-Erkennung. Doch Sparsamkeit allein reicht nicht aus. Der Rat der Stadt Bornheim hat sich 2021 – maßgeblich auf Initiative der GRÜNEN Fraktion – auf den Weg zur „Schwammstadt“ gemacht, um Wasser lokal zu speichern und nachhaltig zu nutzen.
Neben der Übernutzung ist Wasser durch industrielle und landwirtschaftliche Praktiken, Pestizide, Chemikalien wie PFAS und TFA, Mikroplastik sowie Kosmetik- und Medikamentenrückstände belastet. Diese Stoffe verbleiben in Böden, Flüssen – und letztlich in unseren Körpern. Die Reinigung von Trink- und Abwasser ist aufwendig und teuer. Bisher zahlen nicht die Verursacher, sondern alle Bürger:innen über steigende Wasser- und Abwassergebühren.
Doch sauberes Wasser ist ein Grundrecht. Die neue Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) der EU soll das ändern: Bis Juli 2027 müssen alle Mitgliedsländer das Verursacherprinzip umsetzen. Unternehmen, die Gewässer mit schwer abbaubaren Chemikalien belasten, sollen sich mit mindestens 80 % an den Reinigungskosten beteiligen. Aktuell warnt die GRÜNE Europa-Abgeordnete Jutta Paulus vor Bestrebungen, diese Richtlinie zu verwässern – und ruft zur Unterstützung einer Petition auf.
Der Schutz unseres Wassers beginnt im Kleinen: ob durch bewussten Umgang im Haushalt, die Unterstützung regionaler Initiativen oder die Teilnahme an politischen Prozessen. Gemeinsam können wir die Wasserbilanz stärken – für heute und für kommende Generationen.
Denk beim nächsten Blick auf die Wasserrechnung daran: Jeder Tropfen zählt. In vielen Teilen der Welt ist Wasser eine Frage des Überlebens. Bei uns ist es (noch) eine Frage der Verantwortung. Packen wir es an – bevor es zu spät ist.
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