05.04.2020

Von: Dr. Linda Taft und Dr. Arnd Kuhn

Maßnahmen zum Klimaschutz in Bornheim

Klimaschutz in Bornheim

Als notwendigen Beitrag der Stadt Bornheim sind insbesondere Maßnahmen in den folgenden drei Handlungsfeldern zu betrachten:

  1. Die Energieerzeugung vor Ort, um fossile durch regenerative Energieträger zu ersetzen
  2. Die Verringerung des Energieverbrauchs durch Einsparungen und durch eine verbesserte Energieeffizienz
  3. Die Förderung der natürlichen langfristigen Speicherung von CO2 insbesondere in Bäumen und im Boden

 Wie können wir in Bormheim  selbst Energie erzeugen?

Wie Studien belegen, könnte eine regenerative Energieerzeugung (durch Windenergie, Photovoltaik, Solarthermie und Erdwärme) den Eigenbedarf Bornheims etwa dreifach decken.

Bornheimer Bürgerinnen und Bürger sollen sich an den entsprechenden Investitionen und damit an der Wertschöpfung möglichst breit beteiligen können. Wenn es etwa zum Bau der seit langem diskutierten Windräder in Bornheim kommt, sollte mindestens eines der Windräder als „Bürgerwindrad“ geplant werden.

Auch auf den Dächern von privaten, öffentlichen und Gewerbegebäuden stehen große, noch ungenutzte Flächen zur Erzeugung regenerativer Energie zur Verfügung. Diese gilt es, interessierten Investoren bzw. Investorengruppen wie etwa Bürgergenossenschaften zur Verfügung zu stellen.

In naher Zukunft steht der Bau mehrerer größerer Gebäude an: etwa die neue Gesamtschule in Merten, die neue Turnhalle an der Europaschule, diverse Feuerwehrwachen und Kindertagesstätten sowie Gewerbe-Neubauten. Hier wollen wir die Bauherren verpflichten, den Großteil der Dachflächen und wo möglich auch die Fassadenflächen zur Energieerzeugung zu nutzen. Weitere Flächen entlang von Bahnstrecken und Autobahnen, Überdachungen von Parkplätzen etc. können zukünftig ebenfalls für Photovoltaik genutzt werden.

Die Nutzung der Solarthermie zur Warmwassererzeugung und Heizungsunterstützung beschränkt sich bisher nahezu ausschließlich auf den privaten Bereich. Hier ist eine Anwendung  auch im städtischen Bereich, z.B. auf dem Hallenbad, zu prüfen.

Die GRÜNEN sehen Natur- und Landschaftsschutz als hohes gemeinschaftliches Schutzgut an. Diesen Aspekt wollen wir natürlich auch beim Ausbau der regenerativen Energien berücksichtigen und entsprechend gewichten. Dies gilt insbesondere bei der Anlage von Windrädern und auch bei der Biomasseproduktion zur Biogaserzeugung.

Wie soll im Verkehrssektor Energie eingespart werden?

Um den Energieverbrauch im Verkehrsbereich zu senken, ist die Erstellung eines zukunftsfähigen Gesamtkonzeptes für den Verkehr im Stadtgebiet notwendig.

  • Zentraler Bestandteil  eines solchen Konzeptes wird der seit langem geforderte Ausbaus des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) sein: etwa die Komplettierung des zweigleisigen Ausbaus der S-Bahn-Linie 18 zwischen Köln und Bonn oder die Errichtung von Mobilitätszentren wie etwa bei der Neuplanung des Roisdorfer DB-Bahnhofes.
  • Eine weitere Säule bei der Energieeinsparung im Verkehrssektor wird der massive Ausbau des Individualverkehrs mit dem Fahrrad sein. Daher unterstützen wir die NRW-Volksinitiative des Aktionsbündnisses „Aufbruch Fahrrad“ mit ihrer Forderung einer Verdreifachung des Radverkehrsanteils in den nächsten fünf Jahren. 
  • Um dies zu erreichen, müssen Nutzbarkeit und Sicherheit der vorhandenen Radwege verbessert werden sowie neue Radwege innerhalb Bornheims gebaut und diese an die überregionalen Radwege angebunden werden.  Auch muss im ÖPNV die Möglichkeit zur Mitnahme von Fahrrädern weiter ausgebaut werden.
  • Zusätzliche Einsparungen fossiler Energie lassen sich im Verkehrssektor durch die weitere Umstellung des städtischen Fuhrparks auf Elektrofahrzeuge und/oder auf „Grünen Wasserstoff“ erzielen.
  • Für den privaten und den Gewerbesektor ist es wichtig, die Elektro-Ladestellen und Wasserstoff-Tankstellen im Stadtgebiet zu erweitern bzw. überhaupt erst zu schaffen. Auch auf Kreisebene wollen wir uns dafür einsetzen, dass zunehmend  Busse mit alternativen Antrieben eingesetzt werden.  
  • Kurze Wege oder vermiedene Wege führen zu Energieeinsparungen. Auch aus diesem Grund setzen wir uns für die Schaffung von Arbeitsplätzen vor Ort, die verstärkte Nutzung des Homeoffice, die regionale Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte und eine bürgerfreundliche, weitgehend auf elektronischem Weg kommunizierende Stadtverwaltung ein.

Wie sieht das im Gebäudesektor aus?

  • Bei Neubauten von größeren Gebäudekörpern im Gewerbebereich wie im städtischen Bauten fordern wir grundsätzlich eine weitgehende  Begrünung der Dachflächen. Dies spart Heiz- und im Sommer Kühlenergie, verlangsamt und vermindert darüber hinaus den Wasserabfluss bei Starkregenereignissen und fördert die biologische Vielfalt. Wie zahlreiche Beispiele zeigen steht dies nicht im Widerspruch zur Nutzung von Dachflächen zur Solarenergiegewinnung, dies ist beides gleichzeitig möglich.
  • Neubaugebiete sollten grundsätzlich im Gesamtkonzept klimaneutral geplant und umgesetzt werden.
  • Neubauten von Öffentlichen Gebäuden sollen grundsätzlich mindestens im Passivhaus-Standard gebaut werden und großteils aus regenerativen und /oder recycelten Baustoffen errichtet werden, da z.B. die Herstellung von Beton sehr energieintensiv ist und große Mengen CO2 freisetzt.
  • Die energetische Sanierung bestehender öffentlicher Gebäude muss weiter vorangetrieben und langfristig komplettiert werden.

Wie können wir Treibhausgase speichern?

Zu einer Verringerung der CO2 Konzentration in der Atmosphäre kann auch  die langfristige Speicherung dieses Treibhausgases beitragen: 

  • durch Pflanzen zusätzlicher Bäume und Dauerwiesenflächen wie z.B. bei Anlage und Pflege von Streuobstwiesen,
  • Wiederaufforstung geschädigter Waldflächen und Erhöhung des Bestockungsgrades (mehr Biomasse im Wald) bei mittel- und langfristig natürlichem Waldaufbau,
  • durch langfristige Nutzung von Holz oder anderen nachwachsenden Rohstoffe, wie z.B. Miscanthus, im Baubereich
  • dort wo möglich mit einer Wiedervernässung von Feuchtgebieten und Moorflächen,
  • Speicherung von CO2 in Böden durch Förderung des Humusaufbaus vor allem in Agrarböden, z.B. durch die Einführung und Förderung sogenannter „Humuszertifikate“.

Eine Verringerung der Stickstoffdüngung durch eine pflanzen-bedarfsgerechte Ausbringung der Stickstoff-Düngung führt zu geringerer Freisetzung des klimaschädlichen  N2O und darüber hinaus zur Verringerung des Stickstoffüberschusses der ins Grundwasser eingetragen wird. Hier gilt es zusammen mit der Landwirtschaft – wie oben beim Humusaufbau- zielgerichtete Konzepte zu entwickeln.

Fazit

Damit die Entwicklung der Emissionen und die Fortschritte bei der Einsparung von Treibhausgasen in Bornheim beurteilt werden können, ist es unabdingbar, dass in regelmäßigen Zeitabständen eine Bilanzierung der Treibhausgase erfolgt. Nur durch ein solches Monitoring kann die Wirksamkeit der getroffenen Maßnahmen beurteilt werden.

Auch muss nicht in jeder Gemeinde das Rad neu erfunden werden. Daher sollte die erfolgreiche Kooperation der sechs linksrheinischen Kommunen des Rhein-Sieg-Kreises („Klimaregion Rhein-Voreifel“) fortgeführt und weiter ausgebaut werden.

 

Kategorien:#Klima #Natur
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